
Packender „Phasen-Handball“ endet mit einem Remis
So verliefen die DM-Viertelfinal-Hinspiele in der A-Jugend-Bundesliga
A-Jugend-Spiel der Woche:
Dormagen und Rhein-Neckar Löwen trennen sich 29:29
Dave Hörnig schlug enttäuscht gegen den Torpfosten, während Elias Ciudad-Benitez die Fäuste ballte. Wie die Spieler der Rhein-Neckar Löwen das 29:29 in ihrem Viertelfinale um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft beim TSV Bayer Dormagen bewerteten, da gingen die Auffassungen auseinander. Einerseits führte der Vizemeister aus Nordbaden in der ersten Halbzeit mit 13:10 und vor dem letzten Angriff der „Jungwiesel“ mit 29:28, andererseits hatten die Gastgeber beim Stand von 24:18 beste Aussichten, mit einem nicht zu verachtenden Vorteil zum Rückspiel am nächsten Samstag aufzubrechen. „Den Sechs-Tore-Vorsprung müssen wir zu Hause in einen Sieg ummünzen. Leider haben wir in der letzten Viertelstunde etwas den Kopf verloren“, kommentierte TSV-Trainer Martin Berger. Im Vergleich mit Bergers nächstjährigem Verein büßten die Rheinländer ihren Spielfluss ein, mit dem sie die Löwen zuvor so stark in Bedrängnis gebracht hatten.
Zwei A-Jugend-Schwergewichte im deutschen Handball schenkten sich nichts und boten 240 Zuschauern im TSV-Sportcenter den erwartet offenen Schlagabtausch. Mitreißend, spannend, abwechslungsreich – das Viertelfinale zwischen zwei Meisterschaftskandidaten ließ zumindest beim neutralen Beobachter keine Wünsche offen. Für die Trainer galt das nicht in allen Bereichen. „20 Fehlwürfe entsprechen nicht unserem Schnitt“, ärgerte sich Löwen-Trainer Daniel Haase über den phasenweisen zu großzügigen Umgang mit den sich bietenden Möglichkeiten. Sein Nachfolger Martin Berger haderte mit der letzten Viertelstunde seines Teams, in der der TSV unter anderem drei Siebenmeter verwarf. Gäste-Schlussmann Hörnig entschied das Torhüter-Duell auf hohem Niveau gegen Linus Borreck knapp für sich.









Fotos: René Weiss
Dormagen startete mit Vorteilen in beide Halbzeiten. Das 6:3 (7.) und das 24:18 (43.) kam nicht von ungefähr. Beide Trainer und Teams erkannten die gegnerischen Stärken und griffen erfolgreich korrigierend ein. Als Felix Göttler für die Löwen energisch über Halblinks durchbrach, rückte Jan-Christian Schmidt an die Seite von Frederik Sondermann im Mittelblock. Die beiden Kreisläufer, die genauso wir Felix Böckenholt und Krischa Leis am Samstagabend noch im Zweitliga-Spiel der 1. Mannschaft zum 34:28-Sieg gegen den VfL Bad Schwartau beigetragen hatten, bekamen Göttler mit vereinten Kräften besser in den Griff. Für Dormagen spielte Linkshänder Leis eine großartige erste Halbzeit. Leis suchte selbst den Abschluss und bediente die Außenposition, wenn sich dort Räume ergaben. Das hielt auch nach der Pause noch an – und wie. Der TSV dominierte das Bild bis zum 24:18, auf das Daniel Haase mit der Auszeit reagierte. Er gab seinen Schützlingen neue Impulse mit in die Endphase. Die Gelbhemden stellten sich nun besser auf Leis ein und spielten wieder deutlich schneller und entschlossener nach vorne, sodass auch das Dormagener Deckungszentrum nun häufiger das Nachsehen hatte. Beim 28:28 glichen die Gäste wieder aus, Laurin Karrenbauer ließ das 28:29 folgen. Dass Felix Böckenholt kurz vor der Schlusssirene ausglich, komplettierte eine Trilogie zwischen beiden Teams. Die gleichen Jahrgänge trennten sich vor zwei Jahren im B-Jugend-Halbfinale zweimal unentschieden. Für wen das dritte Remis die bessere Ausgangslage für das Wiedersehen am nächsten Samstag ist, ist nach diesen 60 packenden und ausgeglichenen Minuten nicht zu bewerten. Beide Trainer waren sich in ihrer Bewertung einig, dass das Remis den Leistungen entsprach.
Wir hatten gute und weniger gute Phasen in unserem Spiel. Gegen Dormagen war es das erwartet harte Spiel, in dem sich beide Teams abarbeiten. Ich denke in der zweiten Halbzeit haben wir nach dem Sechs-Tore-Rückstand gesehen, dass wir uns nicht aufgeben. Für das Rückspiel ist alles offen. Wir haben uns nicht das Ziel gesetzt, im Viertelfinale rauszufliegen.
Löwen-Kapitän Lennart Karrenbauer
*Insgesamt spielten wir 45 Minuten richtig guten Handball, durch die wir uns eine Sechs-Tore-Führung erarbeiteten. In den letzten 15 Minuten bekamen wir die individuelle Klasse der Löwen nicht mehr so gut unter Kontrolle und suchten verfrüht Torabschlüsse. Trotzdem können wir stolz auf die von uns gezeigte Leistung sein und nun vollen Fokus auf das Rückspiel in Östringen legen.
*
Krischa Leis, TSV Bayer Dormagen
Dormagen: Borreck, Dobiey – Schindler (3), Leis (4), Stolzenberg (2), Böckenholt (2/1), Szabo (8), Johannmeyer, Bahns (1), Kaysen (2), Mertens (1), Schmidt (1), Sondermann (5), Adam.
Rhein-Neckar Löwen: Hörnig, Pleimes – Göttler (11/3), Lennart Karrenbauer (4), Baumgärtner (2), Momber, Knaus (1), Willner (1), Pabst (6), Ciudad-Benitez (1), Breithaupt, Laurin Karrenbauer (3), Hofbeck.
Schiedsrichter: Lukas Schwarzmeier/Bela Stewen.
Zeitstrafen: 1:2.
Siebenmeter: 5/1:4/3.
Die weiteren Viertelfinalspiele
SG BBM Bietigheim – HC Erlangen 29:31(16:15). Mit einem kleinen, aber feinen Vorsprung geht der HC Erlangen ins Rückspiel am kommenden Wochenende. Fünf Minuten vor dem Ende hatte Bietigheim noch mit 28:27 in Führung gelegen. Nach zwei späten Zeitstrafen gegen die Gastgeber – insgesamt waren es in der Summe gegen beide Teams in einer umkämpften Partie derer 13 – drehten die Franken das Ergebnis noch zu ihren Gunsten. „Der Sieg ist enorm wichtig für das Grundvertrauen meiner Mannschaft“, sagte Gästetrainer Andreas Slowik. Mit weniger technischen Fehlern und Fehlwürfen hätte der HCE eine deutlichere Führung mitnehmen können. Danach sah es in der 47. Minute auch noch aus, als Erlangen mit 26:21 führte. „Danach haben wir unsere besondere Einstellung gezeigt, die uns schon in der gesamten Saison ausgezeichnet hat“, schilderte Bietigheims Coach Sebastià Salvat. Mit einem 7:1-Lauf kamen die Einheimischen ins spiel zurück, mussten sich in letzter Instanz dann aber doch geschlagen geben. Bietigheims gute Kooperationen und starke Rückraumwürfe durch Alen Hadzimuhamedovic (10/4 Tore) und Co. bereiteten Erlangen einige Probleme, während Salvat dem Gegner durch die Viertelfinal-Teilnahme vor einem Jahr in Sachen Erfahrung Vorteile zusprach.
TSV Burgdorf – SC Magdeburg 33:28 (19:15). „Wir haben viele Erkenntnisse aus diesem Spiel mitgenommen. Die schönste ist, dass wir gezeigt haben, dass wir Magdeburg schlagen können“, sagte der zufriedene TSV-Trainer Sven Hylmar. Der Sieg fiel mit fünf Toren Unterschied zudem noch relativ deutlich aus und war unter anderem das Resultat aus einer guten Mentalität der Niedersachsen. Die „Jungrecken“ mit ihren treffsicheren Rückraum-Schützen Thorge Lutze (9) und Fabrice Wolf (7/2) lagen über die erste Halbzeit hinweg in Führung und büßten diese in der 43. Minute zum ersten Mal ein. „Wir haben zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht gut verteidigt. Das hat Magdeburg ausgenutzt“, erklärte Hylmar, warum sein Team den Vorsprung einbüßte. Als das Spiel zu kippen drohte, besannen sich die Niedersachsen wieder ihrer Stärken. Ein 6:1-Lauf zum 29:25 (53.) und der 32:27-Endstand ließen enttäuschte Magdeburger zurück. Sven Hylmar weiß die starke Leistung seiner Mannschaft einzuschätzen, unterstreicht aber auch: „Wir genießen diesen Sieg, dürfen uns aber nicht so lange freuen, weil wir genau wissen, was uns nächste Woche in Magdeburg erwartet.“ Dann will SCM-Coach Julian Bauer nicht noch einmal eine so „unfassbar hohe Anzahl“ an vermeidbaren Fehlern sehen. „Wir hatten zwölf unforced errors wie Fangfehler oder Pässe ins Aus. Das habe ich noch nie erlebt. In einem K.o.-Spiel ist das brutal.“ Von diesen Flüchtigkeitsfehlern abgesehen spielten die Gäste fantastisch im Positionsangriff und kreierten viele zentrale Durchbruchaktionen. „In der Abwehr waren wir in der ersten Halbzeit noch etwas passiv. Da haben wir uns nach der Pause klar gesteigert“, sagte Bauer zur Defensivarbeit.
HSV Hamburg – Füchse Berlin 28:44 (11:18). Der Titelverteidiger aus Berlin hat an der Elbe die Muskeln spielen lassen und dem Viertelfinal-Debütanten keine Chance gelassen. Die Mannschaft von Sven Rusbült hatte in der Meisterrunde die Rhein-Neckar Löwen bezwungen, doch diesmal konnte seine Mannschaft nichts ausrichten. 2:1-Führung in der fünften Minute – das war bereits die ganze Hamburger Herrlichkeit im Vorfeld des Erstliga-Heimspiels gegen den VfL Gummersbach. Die Gastgeber bekamen in den Minuten vor der Pause zu spüren, dass gegen die Füchse auch kurze Aussetzer böse nach hinten losgehen können. In der 26. Minute stand es 10:13 aus Sicht der Norddeutschen, vier Minuten später betrug der Rückstand schon sieben Tore (11:18). „Das Spiel lief nahe am Optimum. Wir zeigten einen rundum gelungenen Auftritt – Kompliment an die Mannschaft“, freute sich Füchse-Trainer Norman Flödl. Die Abwehr der Gäste verteidigte sehr beherzt und machte es Torhüter Max Grundmann einfacher, die freien Würfe wegzunehmen. „Max lieferte eine überragende Partie ab“, lobte Flödl seinen Keeper. Der Angriff des Titelverteidigers legte im Laufe der ersten Halbzeit die Nervosität ab und legte über das ganze Spiel hinweg eine sehr hohe Effektivität an den Tag. Anton Preußner brachte seine gewohnte Durchschlagskraft ein, Außen Jan Grüner war mit 13 Toren, davon vier Siebenmeter, der beste Schütze.
Weitere News

Erlangen und Leipzig sind heiß auf einen Appetizer

Die SG Pforzheim erspielt sich einen Matchball

Leipzig setzt weiteres Ausrufezeichen

Vorweggenommene „Endspiele“ in den A-Jugend-Bundesligen

Löwen qualifizieren sich für die kommende Saison
